Integrierte Praxisbegehung NRW ab 2027: Vorbereitung
Bisher bedeutete eine Praxisbegehung in Nordrhein-Westfalen für viele Teams doppelten Aufwand. Die Zahnärztekammer kam wegen Medizinprodukten und Hygiene, später meldete sich die Bezirksregierung wegen des Arbeitsschutzes. Zweimal musste ein Termin abgestimmt werden, zweimal wurden Ordner zusammengesucht, und manche Unterlage lag schon kurz vorher auf dem Tisch. Ab dem 1. Januar 2027 werden beide Prüfungen zusammengelegt. Was heißt das für Ihre Vorbereitung? Die folgenden Abschnitte bieten eine Orientierung. Sie ersetzen keine Rechtsberatung, und bei Einzelfragen bleibt Ihre Zahnärztekammer die erste Anlaufstelle.
Was sich ab 2027 bei der Begehung ändert
Die Fortbildung „Integrierte Praxisbegehung NRW ab 2027 – Arbeitsschutz, MPDG & Strahlenschutz" erklärt zuerst die bisherige Aufteilung. Begehungen nach dem Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (MPDG) und der Medizinprodukte-Betreiberverordnung liefen über die Kammer. Den Arbeitsschutz überwachten als staatliche Aufgabe die Bezirksregierungen. Grundlage der Neuregelung ist eine Vereinbarung zwischen dem Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales und der Zahnärztekammer Nordrhein. Die neue Zuständigkeit gilt für beide Kammern des Landes. Ziel ist der Abbau von Bürokratie: ein gemeinsamer Termin statt zwei getrennter. Die Pflichten selbst bleiben aber bestehen. Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungen und Vorsorge müssen weiterhin vollständig und aktuell nachweisbar sein. Leichter wird also das Verfahren, nicht der Inhalt. Merken Sie sich außerdem einen zweiten Stichtag vor: Für bestehende Verträge zur betriebsärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung endet die Übergangsfrist der überarbeiteten DGUV Vorschrift 2 am 31. Mai 2027.
Ablauf und Rollen im Team
Wie das Verfahren abläuft, beschreibt die Fortbildung „Integrierte Praxisbegehung NRW ab 2027 – Arbeitsschutz, MPDG & Strahlenschutz" am Beispiel der Zahnärztekammer Nordrhein. Rund acht bis zehn Wochen vor dem Termin kommt ein Anschreiben. Darin liegen ein Fragebogen zur Selbstauskunft und eine Einladung zu einem Vorbereitungskurs. Selbstauskunft und angeforderte Unterlagen gehen spätestens drei Wochen vor dem Termin zurück. Sie sind zur Mitwirkung verpflichtet. Einen offiziellen Prüfkatalog gibt es noch nicht, die Kammer stellt aber eine Musterdokumentation bereit. Maßgeblich ist, was Ihr Anschreiben verlangt.
Die Begehung selbst hat typischerweise vier Teile: Eröffnungsgespräch, Prüfung der Dokumente nach Prüffeldern, Rundgang durch Räume und zu den Geräten und schließlich ein Abschlussgespräch. Weil der Termin in die Sprechzeiten fällt, lohnt es sich, weniger Patientinnen und Patienten einzubestellen. Die Gesprächsführung übernimmt die Praxisinhaberin oder der Praxisinhaber. Die oder der Hygienebeauftragte begleitet die Prüfenden in die Aufbereitung, die Strahlenschutzbeauftragten beantworten Röntgenfragen. Für den Arbeitsschutz und die Dokumente gibt es jeweils eine feste Ansprechperson, und für jede Rolle ist eine Vertretung benannt.
Prüffeld Arbeitsschutz: typische Beanstandungen
Neu in der Kammerbegehung ist der Arbeitsschutz. Die Fortbildung „Integrierte Praxisbegehung NRW ab 2027 – Arbeitsschutz, MPDG & Strahlenschutz" empfiehlt, den Betreuungsvertrag zu überprüfen. Passt die Betreuungsform noch zur Zahl der Beschäftigten? Stehen darin feste Stundenkontingente? Ist festgelegt, was digital und was vor Ort geleistet wird? Sind die Ansprechpartner benannt? Das Ergebnis halten Sie in einem datierten Vermerk fest. Der Hygieneplan muss Ihre eigene Praxis abbilden, einen Stand mit Freigabe tragen und dem Team aus der Unterweisung bekannt sein. Häufig beanstandet werden veraltete Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen ohne Unterschrift, eine fehlende Vorsorgekartei, ein unvollständiges Gefahrstoffverzeichnis und ein leeres Verbandbuch. Ebenso fehlt oft ein schriftliches Verfahren für Nadelstichverletzungen.
Medizinprodukte und Strahlenschutz: Nachweise zählen
Im zweiten Block der Fortbildung „Integrierte Praxisbegehung NRW ab 2027 – Arbeitsschutz, MPDG & Strahlenschutz" geht es um die Aufbereitung und das Röntgen. Für RDG, Siegelgerät und Sterilisator wird der Validierungsbericht verlangt. Die erneute Leistungsqualifikation sollten Sie direkt nach jeder Validierung terminieren, denn Dienstleister sind oft erst spät verfügbar. Beim Rundgang durch den Aufbereitungsraum achten die Prüfenden unter anderem auf eine klare Trennung von rein und unrein, auf Chargenprotokolle mit dokumentierter Freigabe und auf richtig gelagertes Sterilgut. Beim Strahlenschutz sollten Sie schriftlich begründen, warum in Ihrer Praxis keine Personendosimetrie nötig ist, sofern das zutrifft. Bereithalten sollten Sie außerdem die Unterlagen zur Anzeige der Röntgeneinrichtung und zur Abnahmeprüfung.
Fazit: Praxisordner jetzt gegen die Checkliste prüfen
Die meisten typischen Mängel lassen sich mit vertretbarem Aufwand beheben, wenn Sie früh genug anfangen. Gehen Sie Ihre Unterlagen deshalb jetzt Prüffeld für Prüffeld durch. Klären Sie die Rollen samt Vertretungen und prüfen Sie den Betreuungsvertrag vor dem 31. Mai 2027. Als Einstieg eignet sich die Fortbildung „Integrierte Praxisbegehung NRW ab 2027 – Arbeitsschutz, MPDG & Strahlenschutz". Zu ihr gehört eine dreiteilige Checkliste mit Dokumenten, Rundgang und Aufgaben vor den Stichtagen.
Häufige Fragen
Wer führt ab 2027 die Praxisbegehung in NRW durch?
Ab dem 1. Januar 2027 übernehmen die Zahnärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe auch die Begehungen zum Arbeitsschutz. Sie werden mit den bisherigen Begehungen nach dem MPDG zu einem gemeinsamen Termin zusammengelegt. Bisher war für den Arbeitsschutz die Bezirksregierung zuständig.
Ändern sich durch die integrierte Begehung die Arbeitsschutzpflichten?
Nein. Die Neuregelung vereinfacht das Verfahren, die Pflichten bleiben gleich. Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungen, Vorsorge und die weiteren Nachweise müssen weiterhin vorhanden und aktuell sein.
Wie lange vorher wird die Praxisbegehung angekündigt?
Bei der Zahnärztekammer Nordrhein kommt das Anschreiben etwa acht bis zehn Wochen vor dem Termin. Es enthält einen Fragebogen zur Selbstauskunft. Diesen schicken Sie zusammen mit den angeforderten Unterlagen spätestens drei Wochen vor dem Termin zurück.
Bis wann muss der Betreuungsvertrag mit dem Betriebsarzt angepasst werden?
Für bestehende Betreuungsverträge endet die Übergangsfrist der überarbeiteten DGUV Vorschrift 2 am 31. Mai 2027. Prüfen Sie unter anderem, ob die Betreuungsform zur Zahl Ihrer Beschäftigten passt und ob digitale Leistungen und Leistungen vor Ort geregelt sind. Halten Sie das Ergebnis in einem datierten Vermerk fest.
Was wird bei der Praxisbegehung am häufigsten beanstandet?
Typisch sind veraltete Gefährdungsbeurteilungen, Unterweisungen ohne Datum oder Unterschrift, eine fehlende Vorsorgekartei und ein Hygieneplan, der nur eine unveränderte Vorlage ist. Häufig fehlen auch neue Produkte im Gefahrstoffverzeichnis oder ein schriftliches Verfahren für Nadelstichverletzungen.
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